"Wie ein bisschen Zement einen Patienten erlösen kann"

| Vortrag zum Thema "Osteoporose - Versorgung durch Ballonkyphoplastie"


Wer darunter leidet, weiß, wie schmerzhaft Osteoporose sein kann: Diese systemische (das heißt, sie kann alle Knochen betreffen) Skeletterkrankung war im Klinikum Fichtelgebirge das Thema des Vortrags von Dr. Michael Hoffmann, Oberarzt an der Klinik für Unfallchirurgie.

Im Prinzip verursache bei der Osteoporose ein übermäßig rascher Abbau der Knochensubstanz eine Abnahme der Knochendichte und damit eine erhöhte Anfälligkeit für Brüche, so der Referent. Besonders fatal seien für den Patienten die Veränderungen an der Wirbelsäule: Durch den Einbruch von Wirbelkörpern verändere sich die Achse des Körpers; weitere Brüche, eine Verformung der Wirbelsäule und dadurch wiederum sogar Beeinträchtigungen von Herz und Lunge seien möglich.

Mit jährlich 230 Neuerkrankungen pro Jahr sei statistisch gesehen allein im Landkreis Wunsiedel zu rechnen; nur etwa ein Viertel davon werde jedoch diagnostiziert. Oft werde die Problematik erkannt, wenn Bagatellbewegungen wie Koffer heben, Schnee schippen oder Ähnliches zu einem Wirbelkörperbruch führen. Das Risiko, an Osteoporose zu erkranken, liege für Frauen deutlich höher: „Ein Drittel der Frauen nach den Wechseljahren sind davon betroffen." Die Ursachen seien zum Beispiel Vitamin-D- und Calciummangel, Untergewicht, Nikotin, Alkohol, bestimmte Medikamente oder Stoffwechselerkrankungen.

Wie die Therapie bei diagnostizierter Osteoporose aussieht, sei ganz individuell, erläuterte Hoffmann. Eine erste Maßnahme bestehe in intravenöser oder oraler Schmerztherapie, dann versuche man es mit physiotherapeutischer Mobilisierung und eventuell einem angepassten Stützkorsett.

Gelinge es nicht, mit diesen Maßnahmen die Beschwerden nennenswert zu lindern, werde der Patient im Klinikum Fichtelgebirge über die Möglichkeit der so genannten Ballonkyphoplastie aufgeklärt. Dabei handle es sich um ein minimal invasives Verfahren, mit dem der eingesunkene Wirbelkörper wieder aufgerichtet werde. Der Patient liege dabei in Vollnarkose auf dem Bauch, unter ständiger Bildüberwachung punktiere der Operateur die Wirbelbögen rechts und links des betroffenen Wirbels und bringe einen speziellen Ballon ein, der unter Volumenkontrolle aufgeblasen werde. In den dadurch entstandenen Hohlraum fülle man schließlich die passende Menge Zement, der in ein paar Minuten aushärte und sehr haltbar sei.

„Bei der Ballonkyphoplastie handelt es sich nicht um ein Wunderheilmittel", betonte Oberarzt Hoffmann, „aber in geeigneten Fällen um eine sehr brauchbare Methode, die Schmerzen eines Wirbelkörperbruchs zu eliminieren."

Seit Beginn seiner Tätigkeit als Oberarzt an der Unfallchirurgie des Klinikums Ende 2008 hat Dr. Hoffmann 60 Ballonkyphoplastien vorgenommen. „Der schönste Moment", sagt er, „ist, wenn ein Patient nach dem Eingriff das erste Mal schmerzfrei vom Bett aufstehen kann."

 


Dr. Hoffmann demonstrierte den interessierten Besuchern die Ballonkyphoplastie an einem Modell der Firma Medtronic