Darmkrebsvorsorge: Vorträge und Podiumsdiskussion

| Pilotveranstaltung der Kassenärztlichen Vereinigung


Laut einer von der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns(KVB) in Auftrag gegebenen Studie sind Oberfranken und die nördliche Oberpfalz die Regionen mit dem zahlenmäßig höchsten Auftreten von Darmkrebs und der niedrigsten Inanspruchnahme der Vorsorge. Um das zu ändern, bietet die KVB in mehreren Kliniken Informationsveranstaltungen an, in deren Rahmen sie Klinikärzte, niedergelassene Kollegen und die Bevölkerung zu Aufklärung, Diskussion und Beratung zusammenführt. Die sehr gut besuchte Pilotveranstaltung dazu fand am Dienstag im Klinikum Fichtelgebirge Haus Marktredwitz statt.

Vier Referenten standen in der Cafeteria des Klinikums Rede und Antwort. Allgemeinarzt Dr. Christoph Pilz stellte die beachtlichen Fortschritte vor, die die KVB in Bezug auf die notwendige Qualitätssicherung in der Darmkrebsvorsorge vorweisen kann. So gebe es verbindliche Regeln, damit die betreffenden medizinischen Maßnahmen überall gleich sind; seit 2006 würden alle Darmspiegelungen elektronisch dokumentiert, seit 2009 bestehe eine Fortbildungspflicht für alle Ärzte und existiere ein Leitfaden für Beratungsgespräche. Ebenso würden die Endoskope ständigen Hygienekontrollen unterzogen. Wer von den 2,3 Millionen Anspruchsberechtigten in Bayern also zur Darmvorsorge geht, dürfe einen einheitlich hohen Standard voraussetzen.

Ein bedeutender Faktor im Kampf gegen den Krebs, so der Pathologe Privatdozent Dr. Dr. Michael Vieth vom Klinikum Bayreuth, sei auch das Krebsregister Oberfranken, das das Auftreten und die Trendentwicklung aller Formen von bösartigen Krebserkrankungen und ihrer Frühformen beobachte. Diese Daten seien eine wichtige Grundlage für die Gesundheitsplanung und die Krebsursachenforschung. Gerade in Oberfranken gebe es nun überdurchschnittlich viele Darmkrebserkrankungen: Der Grund dafür setze sich wohl aus mehreren Mosaiksteinchen zusammen; so könnten Ernährung, Rauchen, Umweltgifte oder auch die natürliche Strahlung in einer Region Krebs auslösen. Wo nur wenige die Vorsorgeuntersuchungen in Anspruch nähmen, so der Internist Dr. Peter Schmied, werde der Darmkrebs dann eben erst entdeckt, wenn er schon manifest sei. Leider würden, wie die Statistik zeige, auch hohe Arbeitslosigkeit, der ländliche Charakter einer Region oder ein niedriges Durchschnittseinkommen sich negativ auf die Inanspruchnahme diverser Vorsorgeleistungen auswirken.

Dr. Hermann Klaue, Chefarzt der Allgemein- und Viszeralchirurgie am Klinikum Fichtelgebirge, beschrieb abschließend die verschiedenen Untersuchungsmethoden und Eingriffe, wenn eine Operation unumgänglich ist. Meist könne man laparoskopisch arbeiten; auch sei die Zahl der künstlichen Darmausgänge kontinuierlich zurückgegangen. Wie bei allen Krebsarten gelte auch hier: „Das Überleben ist vom Stadium abhängig."

So bleibe zu hoffen, so Dr. Peter Kaltenthaler, der die Veranstaltung moderierte, dass in Zukunft mehr als die knapp 3% der Berechtigten die Darmkrebsvorsorgeuntersuchung wahrnähmen: „Wir wollen Ihnen Ihre Lebensqualität erhalten!"

 

 


von links: Dr. Christoph Pilz, Dr. Peter Schmied, Dr. Hermann Klaue, Priv.Doz. Dr. Dr.Michael Vieth, Dr. Peter Kaltenthaler