Berufsausbildung in Zeiten von Corona

Wie ändert sich die Ausbildung an der Krankenpflegeschule während der Corona-Pandemie und warum steigt plötzlich das Interesse an diesem Beruf? Interview mit Katharina Glaser, Auszubildende im zweiten Ausbildungsjahr an der Krankenpflegeschule am Klinikum in Marktredwitz und ihrer Schulleiterin Xenia Kugler.

Aufgrund der zahlreichen Hygienevorschriften und Vorsichtsmaßnahmen stellt die Berufsausbildung in Zeiten von Corona für viele Arbeitgeber und Schulen eine große Herausforderung dar. Vor allem auch die Auszubildenden müssen sich immer wieder kurzfristig an geänderte Rahmenbedingen anpassen.

Katharina Glaser, 20 Jahre, befindet sich mit ihrer Ausbildung zur Gesundheits- und Krankenpflegerin (seit 2020: Pflegefachmann/-frau) im Klinikum Fichtelgebirge an vorderster Front. Inwieweit die Pandemie-Situation ihre Ausbildung beeinflusst hat und wie sich ihr Klinikalltag verändert hat, haben wir in einem Interview erfragt.

Wie war ihr Einsatz bei unseren Covid-Patienten?
Katharina Glaser: Am Beginn der Corona-Zeit am Klinikum sollte ich eigentlich gerade einen praktischen Teil meiner Ausbildung in der ambulanten Pflege beginnen – das fiel aus. Stattdessen war ich in Selb –unserem Covid-Krankenhaus - eingesetzt. Die erste Zeit war sehr arbeitsreich und eine „logistische Meisterleistung“. Wir mussten ständig schauen, wer mit wem zusammenliegen darf um die Patienten gut unterzubringen, sie aber nicht in Gefahr zu bringen. Da ich über 18 Jahre alt bin, durfte ich ganz normal auf der Station mitarbeiten. Die Einweisung vor Ort wurde von den Krankenschwestern nochmal wiederholt- da es viel zu beachten gab. Der Umgang mit den Patienten war letztlich wie immer. Allerdings war die Schutzkleidung sehr ungewohnt für mich: Es war warm und sehr anstrengend in diesen Sachen zu arbeiten.

Fühlten sich gut vorbereitet?
Katharina Glaser: Die Einweisung von den Schwestern war super und gründlich, das Team eingespielt und die Zusammenarbeit prima.

Hatten Sie am Anfang Angst vor dieser Aufgabe?
Katharina Glaser: Ja, anfangs war ich schon nervös, man machte sich Sorgen. Auch ausgelöst von der umfangreichen Berichterstattung aus anderen Regionen und Ländern. Aber letztlich brauchten die Patienten normale Pflege und sie waren froh über den Besuch von uns Schülerinnen und Schülern– die auch mal Zeit für ein kurzes Gespräch hatten.

Was sagte ihr Umfeld?
Katharina Glaser: Meine Mama arbeitet selbst in der Pflege aber meine Großeltern machten sich große Sorgen, riefen mich täglich an und fragten nach, wie die Situation im Krankenhaus ist und wie es mir geht.

Wie haben die Eltern der Schülerinnen und Schüler reagiert?
Xenia Kugler: Die Schüler wie auch die Eltern machten sich große Sorgen bezüglich der Überschreitung der Fehlzeiten, die eine Zulassung zur Abschlussprüfung gefährdeten. Auch hatten die Schüler Angst den theoretischen Inhalt durch Onlineunterricht nicht vollumfänglich verstanden und durchgenommen zu haben. Neben der erhöhten Belastung in der praktischen Ausbildung war auch die Ansteckungsgefahr ein großes Thema bei den Schülern und Angehörigen. Mit viel Geduld und Telefonaten, persönlichen Gesprächen und e-Mails konnte das Lehrerkollegium die Schüler und Angehörigen jedoch in den meisten Fällen beruhigen. Die nachweislich durch Corona-Karenz entstandenen Fehlzeiten fließen auch nicht in die Fehlzeiten ein, das war eine große Erleichterung für die Schüler vor allem des dritten Ausbildungsjahres, die jetzt kurz vor den Prüfungen stehen. Im aktuellen Block der Abschlussklassen wiederholen wir jetzt im Unterricht die wichtigsten online unterrichteten Themen um die Schüler bestmöglich auf die Abschlussprüfung vorzubereiten. Besondere Nachsicht gilt dann auch bei den praktischen Prüfungen, die von den Schülern unter besonderen Anforderungen und Umständen stattfinden werden. Auch hier wurden in Vorprüfungen die Situationen der praktischen Prüfung durchlaufen, so dass den Schüler bekannt ist was auf sie zukommt.

Ist das Interesse an ihrem Ausbildungsberuf gestiegen?
Katharina Glaser: Das Interesse ist aus meiner Sicht gleich geblieben aber die Wertschätzung ist größer geworden. Ich werde oft gefragt wie es auf Arbeit ist. Die Akzeptanz und die Wertschätzung ist sehr groß.
Xenia Kugler: Wir haben sehr viele Bewerbungen erhalten! Wir haben sogar eine lange Nachrückerliste. Das war in den letzten Jahren nicht so. Bewerbungen für 2021/22 sind aber jederzeit möglich.

Das Interesse an der Ausbildung ist deutlich gestiegen und wir haben uns für die 32 besten Kandidaten entschieden. Es gab noch weitere tolle Bewerber, jedoch haben wir derzeit nicht die Kapazität um weitere Plätze anzubieten. Mit dem Neubau der Schule wird das dann möglich sein, es wird dann zwei Klassen geben.

Was hat Sie besonders beeindruckt?
Katharina Glaser: Es war eine sehr spannende Zeit, Flexibilität war oft gefragt und der Zusammenhalt war sehr gut. Es war auch ein echter „Hygiene-Crashkurs“, wir haben alle eine sehr große fachliche Vertiefung erhalten.
Xenia Kugler: Es war sehr beeindruckend zu sehen, wie junge Menschen, die teilweise erst seit einem halben Jahr in der Ausbildung sind, die Tätigkeiten in der Pflege in dieser besonderen Situation hervorragend meisterten und eine große Hilfe für das Klinikpersonal waren und auch immer noch sind. Trotz Doppelbelastung zwischen Schule und Praxis, trotz zahlreicher durch Corona bedingten Versetzungen innerhalb der Klinik, trotz veränderter Urlaubzeiten und Unterrichtszeiten verlieren die Schüler nicht die Motivation und Freude an ihrem Beruf. Das verdient meine Hochachtung.

Hat sich das Image ihres Berufes geändert?
Katharina Glaser: Der generelle Eindruck ist ja, dass wir vorwiegend alte Menschen pflegen. In der Corona-Hochzeit brauchten aber auch jüngere Menschen unsere Pflege. Gerade das Umgehen mit allen Altersklassen macht den Beruf für mich so attraktiv. Ich habe für mich den richtigen Beruf gewählt.
Xenia Kugler: Das Image der Pflege ist aus meiner Sicht nicht besser geworden. Jedoch wird vielleicht jetzt Allen, die sich bisher mit dem Beruf nicht auseinandergesetzt haben klar, dass Pflege eben nicht jeder kann. Der Pflegeberuf ist mehr als Grundpflege verrichten. Die professionelle Pflege ist komplex, abwechslungsreich, herausfordernd: Nach dem Abschluss kann man so viele Weiterbildungen und Spezialisierungen auswählen, wie in kaum einem anderen vergleichbaren Beruf. Was die Corona-Krise jedoch gezeigt hat, ist die Tatsache, wie wichtig die interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen allen Berufen im Krankenhaus ist. Ob Pflegekräfte, Ärzte, Reinigungspersonal, Küchenpersonal, Transportdienst, Technik, IT-Abteilung, Labor, Apotheke oder Verwaltungskräfte: Alle tragen zum reibungslosen Klinikablauf in der Krise bei.


Auch unsere Krankenpflegeschule musste einen kreativen Umgang mit der aktuellen Situation finden. 

Der Kurs 18/21 im 2. Ausbildungsjahr wurde 2 Wochen online unterrichtet über Whatsapp, E-Mail und via einer Schulcloud, welche die hauseigene EDV-Abteilung mit schneller und unbürokratischer Unterstützung des Hasso-Plattner-Instituts eilends eingerichtet hat.

Da sich nicht alle Themen für den Onlineunterricht eignen, wurde entschieden, dass die Schüler nach den zwei Wochen wieder auf die Stationen gehen, um dort ihre praktische Ausbildung weiter fortzuführen. Die versäumten Schulwochen werden im September nachgeholt.

Es erforderte vieler didaktischer Überlegungen welche Themen in welcher Form sinnvoll online unterrichtet werden können. Schulleitung Frau Kugler unterrichtete das Thema Essstörungen. Mit einigen methodischen Änderungen des Präsenzunterrichtes, ist es ihr gelungen den Schülern den nötigen Stoff online zu vermitteln. Frau Kugler nahm in jeder vom Stundenplan vorgesehenen Doppelstunde Kontakt zu den Schülern auf.
Dabei wurden die Einheiten, welche für die nächsten 90 Minuten zu bearbeiten sind, besprochen und die Arbeitsmaterialien zur Verfügung gestellt. Alle Schüler haben immer ihre Einheiten sehr gut ausgearbeitet und in der vorgesehen Zeit auch wieder zu möglicher Korrektur zurückgemailt. Unsere Schüler gaben sich große Mühe und waren sehr fleißig. Die Ergebnisse waren hervorragend.

Im Schnellverfahren haben die Lehrkräfte eine Einführung in die neue Schulcloud erhalten, so dass der Online-Unterricht für die nächste Zeit einfacher umsetzbar ist. Herzlichen Dank an dieser Stelle an unsere EDV-Mannschaft!

„Für eine kurze Zeit ist der Onlineunterricht eine spannende Sache, jedoch fehlt mir der persönliche Kontakt und der Austausch mit den Schülern. Es ist mir zu ruhig in der Schule“ beschreibt Frau Kugler die ungewöhnlichen Schulwochen.

Eine Schülerin dazu: "Ich habe nicht erwartet, dass Schule von zuhause einfach wird. Sowohl technische Probleme, als auch der innere Schweinehund, zu Hause etwas zu tun, musste erstmal überwunden werden. Nachdem aber Frau Neb erstmal in den WhatsApp- Klassenchat hinzugefügt worden war und somit eine recht familiäre Atmosphäre entstanden ist, wurde unsere Motivation geweckt. Durch die Mitteilung der Arbeitsaufträge am Morgen konnten wir uns den Tag nahezu so gestalten wie wir wollten - Hauptsache der Stoff saß am Abend. Die liebevollen Videos am Morgen von Frau Kugler in unserem leeren Klassenzimmer sorgten auch immer für gute Laune. Fazit: Auch im häuslichen Umfeld, ungeschminkt und in Jogginghose lässt sichs produktiv sein!"


Ethikseminar der Schüler und Schülerinnen des 3. Ausbildungsjahres der Berufsfachschule für Krankenpflege Marktredwitz im Jugendtagungshaus Wirsberg

Ende Februar diesen Jahres verbrachte unsere Klasse drei Tage im Jugendtagungshaus Wirsberg, um sich intensiv mit dem Thema Sterben und Tod auseinanderzusetzen. Zunächst wurde in der Gruppe über belastende Erfahrungen aus dem beruflichen und privaten Bereich gesprochen. Schwerpunkte des Seminars waren u.a. die palliative Versorgung von Menschen in ihrer letzten Lebensphase, die Sterbephasen nach Kübler-Ross, der Umgang mit trauernden Angehörigen. Thema war auch die Sterbehilfe, die Patientenverfügung, die unterschiedlichen kulturellen Sichtweisen vor und nach dem Tod, das Bestattungswesen und vieles mehr. Am zweiten Seminartag besuchten wir das Hospiz in Naila. Frau Rothemund empfing uns und gab sehr interessante Informationen zum Hospiz. So werden die Menschen nicht als Patienten sondern als Gäste bezeichnet. Aufgenommen werden Menschen, unabhängig ihrer Nationalität und Religion, die eine schwere Erkrankung haben und sich in der letzten Phase ihres Lebens befinden. Der Tagesablauf ist auf das Befinden der Gäste abgestimmt. Bedürfnisse und Wünsche der Gäste und ihrer Angehörigen stehen im Mittelpunkt. Wir bekamen auch die Möglichkeit, die Räumlichkeiten zu besichtigen. Es herrschte eine wohltuende Ruhe im Haus und wir merkten den großen Unterschied zu der Hektik im Krankenhaus. Dieser Hospizbesuch zeigte uns sehr deutlich, wie die optimale Sterbebegleitung ist. Als Ausgleich zu den ernsten und emotionalen Themen des Tages verbrachten wir lustige Abende zusammen mit unseren beiden Lehrer, Frau Neb und Herrn Schremmer. Dieses Seminar war für uns überaus lehrreich und wir würden es jeder Zeit wieder machen wollen.

Annika Blau, Svenja Tost, Celine Raab


Ausbildungsmesse in Selb

Danke für den zahlreichen Besuch an unserem Stand und das große Interesse an unseren Ausbildungsberufen.

  

  

 

 

 


Ausbildungstag Anatomische Institut in Jena

Einen ganz besonderen Ausbildungstag haben die Schülerinnen und Schüler des 3. Ausbildungsjahres Anfang Dezember verbracht. Zusammen mit Kursleiter Stephan Schremmer und Dr. Margarete Schirmer besuchten sie das Anatomische Institut in Jena. Dort sollten die anatomischen Kenntnisse, die im Unterricht erlernt wurden, an den Exponaten vertieft werden. Zwei Medizinstudentinnen führten die angehenden Krankenpflegerinnen und –pfleger zunächst durch die Ausstellung, in der eindrucksvolle Exponate präsentiert waren. Nach der allgemeinen Führung wechselten sie in die Räume der Präparationskurse für Medizin- und Zahnmedizinstudenten. Körperspenden spielen beim Institut eine große Rolle, vor allem für die Ausbildung angehender Ärzte sowie für die wissenschaftliche Forschung und Lehre.

Unsere Schülerinnen und Schüler konnten an einem Originalpräparat den Aufbau des menschlichen Körpers studieren. In Schutzkleidung und mit Handschuhen durfte jeder ganz nahe an den Tisch herantreten, während der wissenschaftliche Mitarbeiter der Anatomie alle Organe zeigte und erklärte. Ganz Mutige durften die Präparate auch anfassen. Die einhellige Meinung der Marktredwitzer Schülerinnen und Schüler: „Dafür, dass es möglich ist, einen so realen Einblick in den menschlichen Körper zu erhalten sind andere Menschen verantwortlich. Menschen die ihren Körper der Wissenschaft freiwillig zu Verfügung gestellt haben. Es war ein sehr eindrucksvoller Tag für uns.“