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06.08.2026

Lebensrettung ohne Verlegung

Ilse Hohenberger aus Marktredwitz wird diese Nacht nicht vergessen. Es war kurz nach Mitternacht, als plötzlich heftigste Rückenschmerzen sie aus dem Schlaf rissen – „ganz heftig wie schlimmste Rückenschmerzen", wie sie später beschreiben wird. Nach einer qualvollen Nacht und einem weiteren Tag voller Sorge beschließt die Familie: Um halb vier Uhr morgens geht es in die Notaufnahme des Klinikum Fichtelgebirge. Dort beginnt eine Rettungsgeschichte, die zeigt, was moderne Hochleistungsmedizin leisten kann.

Wenige Stunden später liegt Ilse Hohenberger auf der Intensivstation, weil die Ärzte des Klinikums schnell erkannt haben, was passiert ist: eine Typ-B-Aortendissektion.

Ein medizinischer Notfall, bei dem die innere Wandschicht der größten Arterie des Körpers reißt. Statt eines klassischen langen Operationsschnitts wird ihr ein Stentgraft eingesetzt – durch einen winzigen Zugang, ohne offene Operation und große Schnitte.

Ein Stentgraft ist eine maßgeschneiderte Gefäßstütze, bestehend aus einem stabilen Metallgitter (Stent) und einer dichten Kunststoffummantelung (Graft).

„Ich bin einfach dankbar, dass ich vor Ort diese Versorgung bekommen konnte," sagt Ilse Hohenberger rückblickend. Und hinzukommt: „Andere sollten sich davon nicht abschrecken lassen – solche Schmerzen sind ernst zu nehmen. Man sollte nicht zögern, sondern direkt zum Arzt gehen. Eine weitere Nacht zu warten, hätte schlecht ausgehen können."

Eine Premiere für die Region

Mit der erfolgreichen Versorgung dieser Patientin führte das Klinikum Fichtelgebirge zum ersten Mal in seiner Geschichte eine akute Typ-B-Aortendissektion mittels endovaskulärer perkutaner Stentgraft-Implantation durch. Herr Melli hat das Behandlungsspektrums seit seinem Dienstantritt deutlich ausgebaut. Neben klassischen konventionellen Behandlungen von Aortenaneurysmen, Aortenverengungen und unkomplizierten Aortendissektionen werden Eingriffe heute routinemäßig auch über kleine Gefäßzugänge, sogenannte Punktionen durchgeführt. Insgesamt hat Chefarzt Melli bereits rund 50 perkutane Aorteneingriffe, darunter auch zahlreiche Notfalleingriffe, am Klinikum Fichtelgebirge erfolgreich durchgeführt.

Für viele Patientinnen und Patienten bedeutet dies eine enorme Verbesserung: Kürzere Behandlungszeiten, geringere operative Belastung, weniger Schmerzen und der Wegfall einer zeitkritischen Verlegung in ein weiter entferntes Spezialzentrum. Hochmoderne Aortenchirurgie auf universitärem Niveau ist nun wohnortnah verfügbar.

Was unterscheidet diese neue Methode von klassischen Operationen?

Bei der traditionellen offenen Operation muss die Aorta über einen großen chirurgischen Zugang freigelegt und operativ versorgt werden - ein erhebliches Operationstrauma für den Körper. Bei der perkutanen endovaskulären Therapie erfolgt die Behandlung dagegen über eine kleine Punktion der Leistenarterie. Der speziell entwickelte Stentgraft wird unter präziser Röntgenkontrolle bis in die Aorta vorgeschoben und dort exakt platziert. Anschließend wird die Gefäßpunktion mit einem modernen Nahtverschlusssystem verschlossen - ohne großen chirurgischen Schnitt.

Die Vorteile für die Patientinnen und Patienten sind erheblich: Das Operationstrauma fällt deutlich geringer aus, der Blutverlust wird minimiert, das Wundrisiko reduziert sich auf ein Minimum, und die Schmerzen nach dem Eingriff sind deutlich weniger ausgeprägt. Dies ermöglicht eine schnellere Mobilisation - die Patienten können bereits am nächsten Tag aufstehen und sich bewegen. Der Krankenhausaufenthalt verkürzt sich deutlich, und die Rückkehr in den Alltag erfolgt zügig.

Wie läuft der Eingriff ab - und wie lange dauert er?

Der Eingriff dauert je nach anatomischen Gegebenheiten und Komplexität in der Regel 45 bis 90 Minuten. Der Stentgraft wird präzise unter Röntgensicht positioniert. Millimeterarbeit, die höchste Konzentration und Expertise erfordert. Moderne Bildgebung und sorgfältige präoperative Planung ermöglichen es, die Risiken bereits vor dem Eingriff deutlich zu minimieren. Die Durchführung dieses Verfahrens setzt eine hochmoderne Operationsumgebung mit erstklassiger Angiographietechnik voraus - gemeint ist ein spezialisiertes Röntgensystem mit Live-Bildgebung, dass die Echtzeit-Kontrolle ermöglicht. Hinzu kommen spezialisierte endovaskuläre Instrumente sowie moderne, hochwertige Stentgraft-Systeme. Essenziell ist zudem ein erfahrenes, interdisziplinäres Team aus Gefäßchirurgie, Kardiologie, Anästhesie, Radiologie und Intensivmedizin, das schnell und koordiniert zusammenarbeitet.
„Das Klinikum Fichtelgebirge verfügt über alle diese Voraussetzungen“ erklärt Melli. „Der Behandlungserfolg von Frau Hohenberger war das Ergebnis einer engen interdisziplinären Zusammenarbeit über alle Grenzen hinweg.
Bereits in der Zentralen Notaufnahme wurde die lebensbedrohliche Erkrankung rasch erkannt. Hier wurde bereits die richtige Verdachtsdiagnose gestellt. Es folgte eine sofortige hochwertige Diagnostik durch Radiologie, Kardiologie, Anästhesie und Gefäßchirurgie, gepaart mit einer gemeinsamen Therapieentscheidung und der unmittelbaren Durchführung des Eingriffs ohne zeitliche Verzögerungen“ beschreibt Herr Melli den Ablauf.
„Die Intensivmedizin übernahm danach die Überwachung und Betreuung in der kritischen Phase nach dem Eingriff.“ Auch die Familie wurde zu jedem Zeitpunkt transparent informiert. „Das war beeindruckend," erinnert sich Frau Hohenberger. „Nach der Operation wusste meine Familie schneller Bescheid als ich – Chefarzt Melli hat sofort angerufen und alles erklärt."
Nach nur einer Woche konnte die Patientin das Krankenhaus verlassen – nicht zuletzt auch emotional deutlich entlastet nach dem Schreck der vergangenen Tage. „Mit einer guten Prognose kann sie nun wieder ihr Leben gestalten. Wir sehen uns aber regelmäßig zu den Nachkontrollen“ sagt Chefarzt Melli.

Symptome, die Sie ernst nehmen sollten

Aortendissektionen sind selten - sie treten mit einer Häufigkeit von etwa 3 bis 6 Fällen pro 100.000 Einwohner pro Jahr auf. Aber sie gehören zu den schwerwiegendsten gefäßchirurgischen Notfällen und sind lebensbedrohlich, weshalb es entscheidend ist, die Warnsignale zu kennen. Das klassische Merkmal ist plötzlich einsetzende, sehr starke Brust-, Rücken- oder Bauchschmerzen - oft beschreiben Patienten sie als reißend oder vernichtend, wie ein Reißverschluss, der den Körper durchfährt. Begleitend können Atemnot, neurologische Ausfälle wie Lähmungen oder Empfindungsstörungen, oder Durchblutungsstörungen der Extremitäten auftreten.
In diesen Fällen gilt: Sofort den Rettungsdienst (112) alarmieren. Jede Minute zählt.

Bedeutung für die Region

Die Etablierung dieser modernen endovaskulären Therapie erweitert die gefäßchirurgische Versorgung im Fichtelgebirge erheblich. Viele Patientinnen und Patienten können nun wohnortnah und in kurzer Zeit behandelt werden. In geeigneten Fällen lassen sich zeitkritische Verlegungen in weiter entfernte Spezialzentren vermeiden. Das Klinikum Fichtelgebirge bietet damit Hochleistungsmedizin auf universitärem Niveau im Fichtelgebirge.

Über Chefarzt Melli und die Gefäßchirurgie am Klinikum Fichtelgebirge

Seit seinem Wechsel von der Universitätsklinik Bochum hat Herr Melli das Profil der Gefäßchirurgie am Klinikum deutlich geschärft. Neben klassischen offenen Operationen werden heute routinemäßig minimalinvasive perkutane Techniken eingesetzt. Mahmoud Melli hat sich auf moderne endovaskuläre Therapien spezialisiert und zahlreiche solcher Eingriffe erfolgreich durchgeführt. Am Klinikum Fichtelgebirge konnte er mit seinem Team bereits etwa 50 Eingriffe dieser Art realisieren.

Bildunterschrift:
Das Team der Gefäßchirurgie am Klinikum Fichtelgebirge. Auf dem Foto fehlen die Assistenzärzte Pavel Borisov, Meruzhan Stepanyan, und Herr Rustambek Karimov
(v.l.n.r.: Stamboltsyan Arutyun (Leitender Oberarzt), Mohamed Mansour (Assistenzarzt), Mahmoud Melli (Chefarzt), Doctor-medic Ileana-Tünde Ghiurcuta-Iuhasz (Fachärztin), Muhammad Abraheem (Assistenzarzt), Hafez Mohammad Ammar (Assistenzarzt)